01 Jun 2017

PSYCHOTHERAPIE & KNIESCHMERZEN

PSYCHOTHERAPIE & KNIESCHMERZEN - PSYCHOLOGE DR. MARKUS THIELE - BERLIN

Patienten machen häufig die Erfahrung, dass Ihnen bei reinem Knieverschleiß eine Arthroskopie nicht hilft. Gelenkschonender Sport wie Radfahren, Schwimmen, Walking bringt oft mehr, denn er spült Gelenkschmiere in das Knie. Zusätzlich baut sich eine stützende Muskulatur auf. Eine Operation lindert bestenfalls kurzfristig, denn der Verschleiß schreitet weiter fort. Obwohl das inzwischen in Fachkreisen bekannt ist, werden in Deutschland jedes Jahr etwa 400.000 Knie-OP´s durchgeführt.

Doch Operationen sind auch deshalb so häufig an der Tagesordnung, weil wirtschaftliche Überlegungen in Krankenhäusern eine Rolle spielen. Es wird operiert, obwohl ein Nutzen für den Patienten nicht erkennbar ist.

Der Münchener Sportorthopäde Professor Andreas Imhoff sieht kaum eine Möglichkeit für eine echte Knorpelheilung: “Der Knorpel ist leider eher tot und wird nur durch Flüssigkeit ernährt.” Operationen am Knorpel machen dennoch den Großteil der Eingriffe am Knie aus: Auch bei der sogenannten Hyalurontherapie ist der Nutzen fraglich. Hier wird der natürliche Knorpelbaustein Hyaluronsäure zur Ergänzung der Gelenkflüssigkeit in den Gelenkspalt injiziert. Durch die Injektion werden Viskosität und Elastizität der Gelenkflüssigkeit wiederhergestellt. So sollen Gelenkflächen auf Abstand gehalten und Stöße abgepuffert werden. Doch die Wirkung der rund 150 Euro teuren Spritzen sind umstritten und werden wohl aus gutem Grund von den Krankenkassen nicht übernommen.

“Der Knieschmerz hängt allerdings nicht allein von strukturellen Veränderungen am Gelenk ab. Auch psychische Faktoren scheinen eine Rolle in der Wahrnehmung der Beschwerden zu spielen.”

Zudem hatte man in einer Studie bei einigen Arthrose-Patienten eine Knie-Operation nur vorgetäuscht und deren Knie lediglich mit kleinen Narben versehen. Das Resultat war erstaunlich: Denn bei diesen Patienten war das Schmerzniveau nach der Operation nicht höher, teilweise sogar niedriger als bei den Patienten, die tatsächlich am Knie operiert wurden.

Fast 50% der Menschen im Alter über 50 Jahren klagen über Knieschmerzen. Ein Rückgang der zumeist durch Arthrose bedingten Beschwerden wurde mit einem günstigen Verlauf in Verbindung gebracht, manifestiert in einer Zunahme des Querschnitts des Musculus vastus medialis, lateinisch für „zur Mitte gelegener breiter Muskel“ oder „innerer Oberschenkelmuskel“, einer Verlustabnahme an Knorpel und einer selteneren Vornahme von Gelenkersatzoperationen. Diese Beobachtungen unterstreichen die Bedeutung der Analgesie (Schmerzausschaltung) am Knie.

Der Knieschmerz hängt allerdings nicht allein von strukturellen Veränderungen am Gelenk ab. Auch psychische Faktoren scheinen eine Rolle in der Wahrnehmung der Beschwerden zu spielen. Diesen Zusammenhängen ging eine australische Arbeitsgruppe nach, indem sie 16 einschlägige Studien überprüfte und von denen neun eine hohe methodische Qualität aufwiesen. Eine stark ausgeprägte Evidenz wurde für den Zusammenhang zwischen Gonarthrose-(Kniegelenksarthrose)-Beschwerden und Depression festgestellt. Für eine Korrelation zwischen den Schmerzen und Angststörung oder mentaler Einschränkung sprachen die Daten nicht.

Dass eine depressive Erkrankung für Knieschmerzen eine Rolle spielt, scheint damit eindeutig zu sein. Die Autoren empfehlen, biopsychosoziale Ansätze in das therapeutische Behandlungskonzept von Knieschmerzen einzubeziehen. Dieser mehrdimensional angelegte Ansatz in Verknüpfung mit Psychotherapie kann zudem zur Einsparung von Analgetika und damit zur Reduktion ihres Nebenwirkungsrisikos führen.

01 Jun 2017     Dr. Markus Thiele

PSYCHOTHERAPIE & KNIESCHMERZEN

PSYCHOTHERAPIE & KNIESCHMERZEN - PSYCHOLOGE DR. MARKUS THIELE - BERLIN

Patienten machen häufig die Erfahrung, dass Ihnen bei reinem Knieverschleiß eine Arthroskopie nicht hilft. Gelenkschonender Sport wie Radfahren, Schwimmen, Walking bringt oft mehr, denn er spült Gelenkschmiere in das Knie. Zusätzlich baut sich eine stützende Muskulatur auf. Eine Operation lindert bestenfalls kurzfristig, denn der Verschleiß schreitet weiter fort. Obwohl das inzwischen in Fachkreisen bekannt ist, werden in Deutschland jedes Jahr etwa 400.000 Knie-OP´s durchgeführt.

Doch Operationen sind auch deshalb so häufig an der Tagesordnung, weil wirtschaftliche Überlegungen in Krankenhäusern eine Rolle spielen. Es wird operiert, obwohl ein Nutzen für den Patienten nicht erkennbar ist.

Der Münchener Sportorthopäde Professor Andreas Imhoff sieht kaum eine Möglichkeit für eine echte Knorpelheilung: “Der Knorpel ist leider eher tot und wird nur durch Flüssigkeit ernährt.” Operationen am Knorpel machen dennoch den Großteil der Eingriffe am Knie aus: Auch bei der sogenannten Hyalurontherapie ist der Nutzen fraglich. Hier wird der natürliche Knorpelbaustein Hyaluronsäure zur Ergänzung der Gelenkflüssigkeit in den Gelenkspalt injiziert. Durch die Injektion werden Viskosität und Elastizität der Gelenkflüssigkeit wiederhergestellt. So sollen Gelenkflächen auf Abstand gehalten und Stöße abgepuffert werden. Doch die Wirkung der rund 150 Euro teuren Spritzen sind umstritten und werden wohl aus gutem Grund von den Krankenkassen nicht übernommen.

“Der Knieschmerz hängt allerdings nicht allein von strukturellen Veränderungen am Gelenk ab. Auch psychische Faktoren scheinen eine Rolle in der Wahrnehmung der Beschwerden zu spielen.”

Zudem hatte man in einer Studie bei einigen Arthrose-Patienten eine Knie-Operation nur vorgetäuscht und deren Knie lediglich mit kleinen Narben versehen. Das Resultat war erstaunlich: Denn bei diesen Patienten war das Schmerzniveau nach der Operation nicht höher, teilweise sogar niedriger als bei den Patienten, die tatsächlich am Knie operiert wurden.

Fast 50% der Menschen im Alter über 50 Jahren klagen über Knieschmerzen. Ein Rückgang der zumeist durch Arthrose bedingten Beschwerden wurde mit einem günstigen Verlauf in Verbindung gebracht, manifestiert in einer Zunahme des Querschnitts des Musculus vastus medialis, lateinisch für „zur Mitte gelegener breiter Muskel“ oder „innerer Oberschenkelmuskel“, einer Verlustabnahme an Knorpel und einer selteneren Vornahme von Gelenkersatzoperationen. Diese Beobachtungen unterstreichen die Bedeutung der Analgesie (Schmerzausschaltung) am Knie.

Der Knieschmerz hängt allerdings nicht allein von strukturellen Veränderungen am Gelenk ab. Auch psychische Faktoren scheinen eine Rolle in der Wahrnehmung der Beschwerden zu spielen. Diesen Zusammenhängen ging eine australische Arbeitsgruppe nach, indem sie 16 einschlägige Studien überprüfte und von denen neun eine hohe methodische Qualität aufwiesen. Eine stark ausgeprägte Evidenz wurde für den Zusammenhang zwischen Gonarthrose-(Kniegelenksarthrose)-Beschwerden und Depression festgestellt. Für eine Korrelation zwischen den Schmerzen und Angststörung oder mentaler Einschränkung sprachen die Daten nicht.

Dass eine depressive Erkrankung für Knieschmerzen eine Rolle spielt, scheint damit eindeutig zu sein. Die Autoren empfehlen, biopsychosoziale Ansätze in das therapeutische Behandlungskonzept von Knieschmerzen einzubeziehen. Dieser mehrdimensional angelegte Ansatz in Verknüpfung mit Psychotherapie kann zudem zur Einsparung von Analgetika und damit zur Reduktion ihres Nebenwirkungsrisikos führen.